ES IST AN DER ZEIT, DIE RABEN VOM HIMMEL ZU HOLEN

DIE KYFFHÄUSER SAGE

Während der Zeit der Kreuzzüge zog auch Kaiser Friedrich I., genannt Kaiser Rotbart, zum Kampf ins heilige Land. Während des dritten Kreuzzuges kam der Kaiser im Jahre 1190 auf tragische Weise ums Leben: Er ertrank in Kleinasien im Fluß Saleph.

Doch bald entstanden Gerüchte und aus diesen die Sage, daß er nicht tot sei und wiederkommen werde. Er soll mit seinem gesamten Hofstaat verzaubert in den Bergen des Kyffhäusers sitzen. Im Berg sitzt der Kaiser an einem Tisch mit seiner goldenen Krone auf dem Kopf. Des Kaisers Bart ist durch den Tisch gewachsen und reicht schon zweimal um diesen herum. Wenn die Zeit reif ist, wird Barbarossa aus dem Berg herauskommen und sein Reich wieder neu errichten und zu neuer Blüte führen. Alle einhundert Jahre schickt er einen Zwerg hinaus, welcher nachsehen soll, ob die Raben noch immer um den Berg herumfliegen. Ist dies der Fall, ist die Zeit des Erwachens für den Kaiser Barbarossa noch nicht gekommen. Er verfällt für weitere einhundert Jahre in seinen Zauberschlaf.

Gerät Deutschland in große Not vertreibt der Adler Gerwan die Raben, Kaiser Rotbart erwacht und kehrt zurück in sein Reich, dem er wieder Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit bringt und das er zu einer neuen Blüte führt.

Nach dem Tod des letzten Stauferkaisers Friedrich II. im Jahre 1250 zerbrach das deutsche Kaiserreich nach einer etwa einhundertjährigen Blütezeit in viele Kleinststaaten. Die Sage spiegelte die Sehnsucht des Volkes nach einem einheitlichen Staat der Deutschen und einem weisen und gerechten Herrscher wider.

 

Das Reich der Staufer um 1200

 

 Barbarossa-Gedicht

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterirdschen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt,
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug halb offen zwinkt,
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen,
Verzaubert hundert Jahr.

Friedrich Rückert, 1817

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